Special

John's Tourtagebuch #10

Hallo Fans!

Mannomann, tut mir der Hintern weh - Wahnsinn! Da ist es im wahrsten Sinn des Wortes keine Freude, sich den A. aufzureißen. Aber alles der Reihe nach.

Erstmal möchte ich mich beim Muax bedanken, dass er gestern ein bisschen Rücksicht genommen hat. Das hätte ich nicht auch noch gebrauchen können. Die bangen Minuten beim Röntgen, ehe man Gewissheit hat, ob etwas gebrochen ist, die Schmerzen und diese Ungewissheit sind echt der Wahnsinn, also im negativen Sinn.

Und als ob das nicht schon genug wäre, hat mich über den Abend Canci (Fabian Cancellara) sechs oder sieben Mal angerufen, weil er wissen wollte, wie es mir geht. Am Anfang war ich ein wenig überrascht über soviel Anteilnahme bis mir irgendwann dämmerte, dass er lediglich wissen wollte, ob ich weiterfahren kann, um im Zweifel dieses Tagebuch an sich zu reißen.



Mannomann, da könnt ihr mal sehen, mit was für einem Quatsch man sich hier bei der Tour rumschlagen muss. Na ja, auch wenn mir das laufen ein wenig schwer fällt, Radfahren geht ja irgendwie immer. So habe ich mich heute auch durch die Etappe gequält. Zu allem Überfluss hat sich Lotto heute auch noch fein rausgehalten. Clever gemacht, Jungs!

Fazit: Wir mussten vorne schuften und jetzt tun mir zusätzlich zum Hintern auch noch die Beine weh. Ich bin dann im Finale auch zeitig raus gegangen, weil das echt keinen Sinn gemacht hätte. Aber letztlich, da bin ich sicher, ist das auch der Grund, warum Marcel am Ende fliegen gegangen ist und André Greipel die Etappe gewonnen hat. Glückwunsch an dieser Stelle – mit gesundem Hintern wäre das nicht passiert!

Na ja, ich hoffe natürlich jetzt, dass die Verletzung gut verheilt und schaue von Tag zu Tag. Erwartet deswegen erst mal nicht zu viel von mir. Aber so schnell gebe ich nicht auf, sei es auch nur, damit Canci dieses Tagebuch nicht bekommt.

Cheng, unser Chinese, ist seit gestern Abend total nett zu mir. Ich glaube, die Entschuldigung neulich hat uns beiden gut getan. Auf jeden Fall hat er mir gestern Abend bei einem nahe liegenden Chinesen die 25 und die 38 süß-sauer bestellt und aufs Zimmer gebracht und meinte, das sei gut für eine schnelle Genesung. Das fand ich total nett von ihm.

Als ich das heute Morgen Laura am Telefon erzählt habe, meinte sie dagegen, ich solle damit lieber vorsichtig sein. Es könne sein, dass ich ihm durch meine Verletzung seinen Platz als Rote Laterne streitig mache und sie traut ihm deswegen alles zu. Aber das glaube ich nicht, dazu ist er viel zu korrekt.

So, ich sehe jetzt mal zu, dass ich meinen Blick wieder nach vorne richte, denn vom sich ständig selbst auf den Hintern schauen, bekommt man (schon wieder) einen steifen Hals.

Bis bald,
DEGE

PS: Danke auch für die zahlreichen Genesungswünsche!

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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).