Special

John's Tourtagebuch #8

Hallo Fans!

Bähm bähm bähm! Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Hicke Hacke, Hicke Hacke, Hühnermist! Leute, heute fehlen mir echt die Worte. Das ist die unglaublichste Unglaublichkeit, die ich je erlebt habe. Wir sind einfach die Besten.

Sorry, aber ich muss erst einmal runterkommen... Uuuuaaaaaaaaaahhhhhhhhhh!

So, jetzt. Was für eine Etappe. Zu Beginn dachte ich, das geht heute gründlich in die Hose, denn nach dem Tagebuch von gestern (Lotto liest scheinbar fleißig mit), sah es am Anfang so aus, als würden wir heute arbeiten müssen. Einen einzigen Mann haben sie nach vorne geschickt um die Ausreißer zu kontrollieren. Mist, dachte ich zunächst, jetzt brauchen wir einen neuen Plan.

Bevor ich hier schreibe, dass „unser Chinese“ auch mit vorne war, möchte ich mich aber zunächst bei ihm entschuldigen, dass ich ihn immer so nenne. Ich schreibe bzw. denke das, seit er bei uns im Team ist. Laura hat mich gestern Abend darauf aufmerksam gemacht. Na ja, was soll ich sagen? Das hat sich einfach so in meine Gewohnheiten eingeschlichen. So sehr, dass ich bis gestern gar nicht wusste, wie er mit richtigem Namen heißt. Aber sie hat Recht. Eigentlich ist es unhöflich.



Auf jeden Fall ist sein richtiger Name Cheng Ji und um mir das in den kommenden Tagen besser merken zu können, habe ich mir extra eine CHENG-Mütze anfertigen lassen. Denn so werde ich jedes Mal daran erinnert, wenn ich ein Foto von mir in der Zeitung sehe, vor dem Spiegel stehe oder im Rennen an einem Schaufenster vorbeifahre. Clever, was?

Aber zurück zum Rennen. Unser Chinese, sorry, Cheng, musste die erste Hälfte der Etappe richtig hart vorne arbeiten. Es war ja kein Lotto-Team da. Aber das hat er ganz toll gemacht. Nicht umsonst hat er bei uns in der Mannschaft auch den Spitznamen Breakaway-Killer.

Na ja, wie chaotisch das Finale dann wurde, brauche ich Euch glaube ich nicht zu erzählen, aber wir haben uns echt den Hintern aufgerissen, um Marcel heute wieder ganz vorne abzustellen und er hat einmal mehr unserer harten Arbeit die Krone aufgesetzt. Das ist einfach nur Wahnsinn.

Richtig leid tat mir der Sturz von gleich drei Lotto-Fahrern in dem Kreisverkehr. Bei aller Rivalität im Rennen und auch manch einer Animosität fernab der Strecke -  so etwas wünscht man echt keinem. Daher gute Besserung an dieser Stelle an die Gestürzten.

Apropos Schmerzen. Ein wenig Sorgen habe ich mir heute um meinen Teamkollegen Koen (de Kort) gemacht.  Kaitlin, seine Freundin, hatte uns in England besucht und ist gestern während der Etappe in Brennesseln getreten. Zwar ist sie schon wieder Zuhause, aber heute Morgen stand Koens Handy keine Sekunde still, weil es sie so gejuckt hat und er doch gefälligst sofort etwas unternehmen solle.

So habe ich das zumindest verstanden mit meinen paar Brocken Niederländisch. Jedenfalls machte er über die gesamte Etappe einen ziemlich bekümmerten Eindruck und hat sich eben auch in die hinterste Ecke vom Bus verzogen, um zu telefonieren. Hoffentlich geht es auch ihr wieder besser!

So, ich muss jetzt aber Schluss machen. Morgen wartet ein schwerer Tag und da müssen wir gut ausgeruht sein, um unsere Blicke konzentriert nach vorne auf die Pflastersteine zu richten.

Bis bald,
DEGE

PS: Puh, Glück gehabt, Laura hat gestern nichts gemerkt!

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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).