Special

John's Tourtagebuch #5

Hallo Fans!

Bähm! Der absolute Wahnsinn! Das ist doch ein Auftakt nach Maß. Jetzt haben wir nach nur einer Etappe schon zwei Preise gewonnen: Den Etappensieg und das Gelbe Trikot. Dabei fing alles irgendwie ganz komisch an.

Die neutralisierte Phase vor dem richtigen Start kam mir heute endlos lang vor. Dabei habe ich die letzte Nacht eigentlich ganz gut geschlafen und fühlte mich auch gar nicht schlecht. Na ja, ich dachte jedenfalls, vielleicht müssen wir (das Peloton) noch auf Andy warten, oder so.

Irgendwann wurden wir vom Führungsfahrzeug gestoppt und ich dachte: Ah, endlich Pinkelpause. Ich hatte schon eine Hand quasi in der Hose, da ruft Marcel: „DEGE, mach das nicht – nicht jetzt!“.  Okay, dachte ich und schaute mich erstmal um.

Da fiel mir dann auch schnell auf, dass das wirklich kein guter Ort zum Austreten war. Denn nur wenige Meter entfernt stand SIE leibhaftig vor mir: die Queen!



Mannomann, wäre das peinlich geworden – mit Hubschrauberkamera und allem Pipapo. Ich war übrigens sehr überrascht, wie jung sie noch ist, denn ich habe sie irgendwie von Fotos und so viel älter in Erinnerung. Aber sie hat uns Glück gebracht in ihrem grünen Kostüm, denn grün ist ja bekanntlich die Farbe der Sprinter, und DER Sprinter hat ja heute gewonnen.

Gefühlte 30 Minuten haben wir da gestanden und es wurde uns zu Ehren sogar Musik gespielt. Die beiden Songs kamen mir auch sehr bekannt vor – ich glaube von der Fußball-WM.

Kurz bevor es weiter ging, kam Andy zu mir, klopfte mir vertrauensvoll auf die Schulter und sagte: „DEGE, mach dir keinen Kopf wegen dem Tagebuch“. Dann hat er mir noch erzählt, dass er das im letzten Jahr am Anfang auch unmöglich gefunden hätte, dass es ihm aber auch überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet hätte zur Wahl zum Muax-Radsportler des Jahres nominiert zu werden. Und die hat er ja schlussendlich gewonnen.

Das hat mir über weite Teile der Etappe keine Ruhe mehr gelassen und zusammen mit den positiven Gedanken, die ich mir gestern vorgenommen habe, hat mir das mir deutlich gemacht, dass aus etwas Negativem auch immer etwas Positives wachsen kann – das werde ich gleich Laura erzählen.

Der Rest der Etappe ist schnell erzählt. Wir haben Lotto schön arbeiten lassen und uns hinten geschont, auch wenn Marcel ein paar Mal ganz schön beißen musste. Es war aber kein Problem für mich, ihn zu motivieren. Ich habe ihm einfach für jede zehn Kilometer, die er vorne schafft, eine DEGE-Mütze versprochen – hat doch gut geklappt!

Der Sturz im Finale war natürlich alles andere als schön. Gute Besserung von hier aus an Cav.

Kompliment auch noch an Jensie. Toller Ritt heute, einmal mehr, auch wenn es die mediale Aufmerksamkeit ein wenig von mir abgelenkt hat. Ich gönne es ihm von Herzen.

So, Blick nach vorne, ab ins Hotel und heute Abend gibt’s zur Feier des Tages ein Gläschen Puffbrause – Prost Muax!

Bis bald,
DEGE


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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).