Special

John's Tourtagebuch #1

Hallo Fans,

ja, ich bin es, Euer John! Keine Sorge, ich werde hier in den nächsten vier Wochen keine Nacktfotos zeigen, außer natürlich, es muss ganz ganz unbedingt sein.

Die Tour de France beginnt in wenigen Tagen und ich freue mich riesig drauf. Immerhin habe ich mein halbes Leben davon geträumt und jetzt darf ich schon zum zweiten Mal mit dabei sein. Das ist der pure Wahnsinn.

Aber ich bin gut vorbereitet. Schon am Sonntag, bei der DM in Baunatal, habe ich nochmal gemerkt, dass meine Form auf den Punkt stimmt. Ok, mit Platz zwei war ich natürlich nicht so zufrieden, aber ich habe mir ja nichts vorzuwerfen. Und das, obwohl ich mit Platz zwei ziemlich unzufrieden bin, mir aber wirklich nichts vorzuwerfen habe, wenn Ihr versteht, was ich meine. Mannomann, was für ein Mist!

Außerdem habe ich in den letzten Tagen noch zusammen mit meiner Frau Laura ein wenig an meinen Starallüren gearbeitet und ich kann Euch sagen, das ist gar nicht so einfach, wie Ihr glaubt. Bei der Tour bist du als Teilnehmer einfach so etwas wie ein Superstar und da ist es ganz wichtig, den Menschen auf dem richtigen Level zu begegnen.



So mache ich es Ihnen noch leichter, mir den gebührenden Respekt entgegenzubringen. Denn Respekt ist mein Antrieb, das wird Euch jeder im Peloton bestätigen können.

Es ist schon komisch, die nächsten vier Wochen so ein Tagebuch zu machen, weil ich es ja gar nicht mache, aber genau spüre, wie der Muax die Gedanken aus mir heraus saugt. Schon Andy Schleck konnte letzte Jahr ein Lied davon singen. Solange es nur die Gedanken sind, finde ich es aber halbwegs Okay. Ganz anders wäre es, wenn er mir an die Beine wollte.

Überhaupt habe ich zu Muax ein sehr gespaltenes Verhältnis. Was habe ich mir früher als Nachwuchsfahrer auf die Schenkel geklopft, wenn er Linus und Co. durch den Kakao gezogen hat. Aber dass er das jetzt mit mir macht, finde ich echt nicht in Ordnung. Ich meine, ich bin DER John Degenkolb und wenn sich hier einer über mich lustig macht, dann bestenfalls ich selbst.

Aber das habe ich ihn am Sonntag in Baunatal auch deutlich spüren lassen. Ich habe ihn nämlich bei der Pressekonferenz – er saß seitlich vor mir in der ersten Reihe – so dermaßen nicht ein einziges Mal angeschaut, dass ich davon jetzt noch einen steifen Hals habe. Das hat er jetzt davon.

Aber egal, meine Gedanken sind jetzt ganz fest nach vorne gerichtet – trotz steifem Hals – und Ihr könnt sicher sein, dass ich alles für den Sieg geben werde, und falls es nicht klappt, mindestens genau soviel fürs hinterher ärgern, selbst dann, wenn ich mir nichts vorzuwerfen habe.

Bis bald,
DEGE

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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).