Special

Männer in Kampfuniform stürmten in mein Zimmer

Aus Pamier von Jo Logique

Da bin ich wieder, mit zwei Tagen Verspätung. Es scheint, als würde die Macht unserer Zeitung doch nicht bis alle Ecken Europas reichen. So hatte ich am Samstagmorgen eine unangenehme Begegnung mit der französischen Polizei.

Es war noch ziemlich früh und mein Hotelzimmer in Rodez alles andere als luxuriös. Gerade wollte ich duschen gehen und mich für den Tag fertig machen, da klopfte es drei Mal an der Tür. Da ich nichts an hatte, suchte ich nach etwas, womit ich mich ein wenig bedecken konnte bevor ich die Tür öffnete. Doch dazu kam ich gar nicht mehr. Ein lauter Knall und mein Zimmer hatte keine Tür mehr.

Unzählige Männer in Kampfuniform stürmten in mein Zimmer und mitten unter Ihnen der Gendarm aus Épernay. Er zeigte sichtlich aufgeregt auf mich und schrie ein paar mal: „C'est lui!“

Es lief ab wie in einem schlechten Film. Ich wurde überwältigt und bekam Handschellen angelegt. Ohne ein weiteres Wort wurde ich von den Beamten vom CRS abgeführt. Sie machten sich nicht mal die Mühe, mir etwas umzuhängen. Der Krach hatte bereits viele andere Hotelgäste aufgeschreckt und als ich durch die Hotelhalle geschubst wurde, begegnete mir noch das komplette Team RadioShack. Ich bekam nur noch mit, wie Andreas Klöden grinste und mir hämisch „Flitzer“ nachrief, da saß ich auch schon in einem schwer gepanzerten Transporter und bekam erst dort die Gelegenheit, mir etwas überzuziehen.



Im Polizeipräsidium angekommen, wurde ich sofort in eine Zelle gesperrt. Immerhin kam ich da erst mal zum Durchschnaufen. Ich konnte mir zwar denken, worum es ging, aber was hier geschah, war vollkommen unverhältnismäßig, um nicht zu sagen ein Skandal. Ich klopfte ein paar Mal gegen die Zellentür und schrie, dass ich telefonieren müsse und sofort einen Anwalt sprechen wollte, aber es herrschte absolute Ruhe und niemand reagierte.

Erst am Nachmittag kam ein Gendarm in meine Zelle, brachte mir etwas zu essen und zu trinken und versuchte, so gut es ging mir zu erklären, dass es wohl vor Montag keinen Haftprüfungstermin geben würde. Das kam für mich einer Katastrophe gleich, würde ich doch zwei ganze Tage lang nicht arbeiten können. Ich hatte wohl Glück, dass wir beide am Wochenende alleine dort waren. So konnte ich den Gendarm mit all meinem Charme davon überzeugen, dass es überlebenswichtig sei, dass ich als deutscher Journalist unbedingt über die große Tour de France berichten müsse.

So erklärte er sich nach einigen Gesprächen bereit, den Fernsehapparat vor die Zelle zu stellen, so dass ich durch die kleine Öffnung der Zellentür die Etappen verfolgen konnte. Das ganze natürlich auf französisch. Er gab mir auch Papier und Stift und ich schrieb so gut es ging meine Meldungen handschriftlich, worauf hin der Gendarm sie per Fax in die Redaktion nach Hamburg schickte.

Mein Chef hatte inzwischen mitbekommen, was passiert war und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mich da raus zu bekommen, was schließlich gestern Abend gegen 22:00 Uhr gelang. Zurück im Hotel, habe ich schnell meine Sachen gepackt und mich ins Auto gesetzt um die halbe Nacht hierher zu fahren.

Der ganze Spaß hat mich nun 1000,- Euro Strafe, zwei Tage in Unfreiheit und die Erkenntnis gekostet, dass mit der französischen Polizei nicht zu spaßen ist.

Jetzt muss ich aber richtig Gas geben, denn wie ich mitbekommen habe, hat Château inzwischen mächtig Fahrt aufgenommen und sich mit Erfolg an der Armstrong-Geschichte festgebissen.

Ciao,
Jo

Vier Musketiere bei der Tour! 



Vom 3. bis 25. Juli werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern? Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château. Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.