Special

Bis zur Weißglut provoziert

Aus Sisteron von André Château

Es geht wieder besser, doch immer noch ist es schwer hier für mich. Auch in mir ist in den vergangenen Tagen etwas zerbrochen. Ich kann nicht genau erklären, was es ist, vielleicht der Konflikt zwischen paradox und attraktiv. In den vergangenen Jahren war das nicht so, zu eindeutig war die Lage.

Und auch in der Redaktion in München, fernab von allem Tour-Trubel, ist es um ein Vielfaches leichter, zu differenzieren oder das Gute auszuklammern uns sich auf das Böse zu konzentrieren.

Die Euphorie hier in Frankreich hatte mich in den vergangenen Tagen bis zur Weißglut provoziert. Rund 15 Millionen Menschen stehen hier jedes Jahr an der Strecke und bejubeln nahezu völlig kritiklos das Spektakel Tour de France. Vielleicht liegt es daran, dass auch ich älter werde, genau wie die ergrauten Herren aus dem Peloton.

Nach langen Telefonaten mit meinem Chef haben wir beschlossen, dass ich erst einmal hier bleibe und das Beste aus der Situation mache. So schreibe ich neuerdings einfach über das, was hier passiert.



Doch zuweilen fühle ich mich wie eine Mischung aus Cadel Evans und Lance Armstrong. Evans, weil ich trotz dem, was in mir gebrochen ist, weitermache und Armstrong, weil mir, genau wie ihm, neuerdings die Verbissenheit fehlt und ich phasenweise sogar Mühe habe, meinen sarkatischen – manche meinen: zynischen -  „Tonfall“ zu finden.

Meine Ray-Ban habe ich am Ruhetag in die Dranse geworfen, ein klein Fluss, der durch Morzine fließt. Zu übermächtig war das Gefühl, wir würden nicht mehr zusammen passen.

Jetzt schaue ich genau wie viele der abgehängten Favoriten - von Tag zu Tag.

Auch heute keinen Gruß
André

Vier Musketiere bei der Tour! 



Vom 3. bis 25. Juli werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern? Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château. Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.