Special

Nicht die ganze Wa(h)rheit

Aus Chambéry von Manné Mépris

Tachchen, da bin ick wieder. Mensch, die Tage fliegen hier in einem Tempo vorbei. Ick bin ja schon wieder dran mit schreiben, wa? Präsi ist heute mein Thema. Klar tun sich hier jede Menge anderer Dinge, aber ick hatte mir ja fest vorjenommen, meine Recherche weiter zu führen.

So hab ick mir jestern nochma ’ne Liste jemacht mit allen deutschen Fahrern. Der Herr Präsi hat ja bisher von der Tour nichts von sich hören lassen. Vielleicht ahnt er ja auch wie dicht ick ihm auf den Fersen bin.

So bin ick im Ziel direkt ma zu Voigte (Jens Voigt) jejangen. Der ist ja nicht auf den Mund jefallen und weiß immer janz jut Bescheid. Ick hab den direkt ma ins Jesicht jefragt: „Sach ma Voigte, unter uns, du kennst doch Präsi, wa?“

Da schaut er mich an wie ein Auto und sagt: „So was darfste mich nicht fragen, Manné. Ich weiß zwar, was ein Präsi ist, aber bei bald sechs Kindern halte ich zu dem Thema lieber meine Klappe!“

Ob der mich nicht richtig verstanden hat oder warum war der so komisch? Jedenfalls hatte ick nicht det Jefühl, det der mir die janze Wahrheit sagt. Ick glaube, der weiß mehr und deckt den Kerl.



Als dann noch Klöden vorbei kam, bin ick dem vors Rad jesprungen. Der hält ja sonst nicht an bei deutschen Journalisten. Deswejen bin ick da ma ein bisschen offensiver an die Sache ranjegangen und hab gleich ma einen auf autoritär jemacht, wie damals: „Jenosse Klöden“ hab ick im Befehlston jeschrien: „Ick erwarte eine ausführliche Information zur verdächtigen Person mit dem Decknamen IM Präsi, haben Sie det verstanden? Sonst muss ick det nach Berlin melden“.

Da wurde der gleich ma janz blaß, ist vom Rad jestiegen, hat salutiert und jesagt: „Genosse Mépris, ich habe keine Kenntnis von einem Präsidenten mit diesem Namen, großes Pfadfinder- Ehrenwort. Ich lese keine deutschen Zeitungen mehr und in den Englischen gucke ich mir immer nur die Bilder an“.

Manchmal sind die alten Strukturen so fest drinne, dass det immer wieder funktioniert mit dieser Masche. Da kann der noch so lange für die Imperialisten fahren.

Jedenfalls war ick nicht viel weiter jekommen. Auch Claude, der kleine runde UCI-Kommissär aus Belgien, hatte nur noch waage Erinnerung, hat mir aber versprochen nochmal darüber nach zu denken. Vielleicht fällt ihm ja noch etwas ein.

Ick hab mir jedenfalls jetzt ma eine Falle überlegt. Ick hab mir einen Briefbogen von der Tour besorgt, det Janze adressiert an „Präsi“ und mit meiner schönsten Frauenschrift jeschrieben: Sehr geehrter Herr Präsi, Sie  haben einen Preis gewonnen. Bitte melden Sie sich in den kommenden Tagen telefonisch bei mir.“

Ick bin sicher, die Neugier wird ihn wahnsinnig machen. Also warten wir mal ab...

Manné Mépris grüßt Deutschland

Vier Musketiere bei der Tour! 



Vom 3. bis 25. Juli werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern? Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château. Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.