Special

Wildes Stöhnen und Kichern

Aus Saint-Jean-de-Maurienne von Jo Logique

Sorry, dass mein Text heute erst so spät kommt, aber ich musste mich heute Morgen schon früh auf den Weg zum Ziel machen. Ruhetag ist nicht gleich Ruhetag! Trotzdem tut es bei so einer Monster-Reise gut, einmal zwei Tage am selben Ort zu bleiben und abends in ein vertrautes Hotelzimmer zu kommen. Das fühlt sich fast ein bisschen an wie zu Hause sein.

Sie glauben gar nicht, wie anstrengend so ein Ruhetag sein kann. Da ich unbedingt eine heiße Story benötigte, wollte ich gestern Nachmittag keine Pressekonferenz verpassen. Da die aber teilweise zeitgleich stattfinden und ich alleine hier unterwegs bin, ist das keine leichte Sache. 

Also habe ich am Vormittag den nächstbesten Elektromarkt aufgesucht und mir fünfzehn Diktiergeräte gekauft.

Die habe ich dann – um zumindest die wichtigsten Teams abzudecken – an den entsprechenden Orten aufgestellt und bin den ganzen Nachmittag von Hotel zu Hotel geeilt um immer wieder zu prüfen, ob auch alle ordnungsgemäß laufen. Zwar haben manche Teamchefs ein wenig komisch geschaut, wenn ich mich immer wieder nach vorne an die Tische gedrängelt habe, aber ich wollte ja nichts verpassen.



Soweit hat auch alles gut geklappt. Nur die Jungs von Milram haben sich wohl einen Spaß draus gemacht das Gerät an sich zu reißen. Auf dem Band war nur wildes Stöhnen und Kichern.





Die interessanteste Meldung kam wohl von der Pressekonferenz von Saxo Bank, wo Bjarne Riis einen, oder besser gesagt zwei neue Hauptsponsoren präsentieren konnte. Es ist schon erstaunlich, wie es jemand mit seiner Vergangenheit immer wieder schafft, neue Geldgeber zu finden, während sich das Team Milram gerade verzweifelt an einen letzten Strohalm klammert.



Eine schöne Story natürlich, aber auch ein Indiz dafür, dass eben doch nur die ganz großen Erfolge zählen. 



Viele meiner Kollegen hatten den Ruhetag wörtlich genommen und es sich wohl am Pool gemütlich gemacht. Da verwundert es auch nicht, dass Manné Mépris später einen inhaltlich eher dubiosen Text zum Thema ablieferte.



Für mich, die Nummer eins, kam der Pool natürlich nicht in Frage. Dafür habe ich mir dann aber gestern Abend ab elf Uhr zwei Stunden am Pool gegönnt. Da ist eh’ weniger los und Sonnenbrand bekommt man auch nicht.



Apropos weniger los. Ich hab André Château schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen!? Hoffentlich ist er nicht baden gegangen!



Gestern rief mich übrigens das Tourbüro an. Die Polizei sei auf der Suche nach mir. Nach meiner Aktion mit der Zeitung vor einigen Tagen hat der Gendarm anhand des Hotel-Bademantels wohl zurückverfolgen können, wer ich bin. Sie erwägen jetzt eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Da werde ich gleich mal meinen Chef in Hamburg anrufen, der wird das schon irgendwie regeln. Schließlich habe ich mich ja für den Job aufgeopfert!


Ciao

Jo

Vier Musketiere bei der Tour! 



Vom 3. bis 25. Juli werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern? Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château. Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.