Special

Wer schreibt, der bleibt

Aus Spa von Manné Mépris

Tachchen, ick bin Manné, der Dritte im Bunde derer, die exklusiv von der Tour berichten. Der Muax ist ein feiner Kerl, dass er mich gefragt hat, ob ich mitmache. Klar mache ich mit! Uns Journalisten kennt ja fast keener. Alle Leute lesen unsere Texte, aber was wir hier tagtäglich bei der Tour mitmachen, det bekommt niemand so richtig mit.

Also bei mir läuft det Janze so ab: Ich bin nicht fest an eine Zeitung jebunden, sondern eher so eine Art Nachrichten-Verkäufer. Dazu braucht man jute Kontakte zu beiden Seiten, also zu den Fahrern und zu den Redaktionen. Ick bin auch schon lange jenuch im Jeschäft, um zu wissen, wie der Hase läuft. Ick werde also mehr oder wenijer pro Meldung bezahlt, die ick verkoofen kann. Da muss man ganz schön die Augen offen halten und benötigt auch hin und wieder mal eine gehörige Portion Fantasie.

Den Stoff für meine Meldungen liefern die Ritter der Landstraße und da ist eine Etappe wie die von jestern ein jefundenes Fressen. Da kann man noch ne schnelle Mark machen, wa?

Aber von vorne: Zum Etappenstart hab ich mich mal unters Volk jemischt und mir einfach ein paar Einschätzungen von den deutschen Fahrern geholt. Das schreibe ick mir alles auf meinen kleinen Block auf. Ick hatte zwar ma ein Diktierjerät, aber da hab ick immer die falschen Knöpfe jedrückt. Ick bin halt eher alte Schule und wer schreibt, der bleibt.



Dann musste ick zusehen, dass ick schnell weg komme, denn mein kleener Polo ist nicht der schnellste und die Tour ist so weiträumig abgesperrt, dass man selbst mit Akkreditierungs-Aufkleber manchmal Probleme hat, irgendwo hinzukommen. Zwar hat die Organisation der Tour auch immer eine Transferstrecke parat, aber auch det ist mir zu unsicher. Ick fahre über die Strecke, basta! Det funktioniert immer am besten.

Dazu ist es aber wichtig, dass man rechtzeitig vor dem Start wegkommt. Bis dahin hat jestern auch alles gut funktioniert. Hinter der Werbekarawane ist man sicher und kann sich nicht verfahren. Ist ja alles Ausland hier!

Auf der einen Seite finde ick det ja richtig gut, dass entlang der Strecke so viele Zuschauer sind. Bei uns in der Heimat ist det ja nicht mehr so üblich. Blöd nur, dass ausgerechnet vor mir Klaus Angermann unterwegs war, der da ja nur noch zum Vergnügen mitfährt und es im Gegensatz zu mir gar nicht eilig hatte ins Ziel zu kommen, sondern stattdessen wie ein Karnevalszug jemütlich links und rechts den Zuschauern winkte. Fehlt nur noch, dass der sich ne Feder in den Hut steckt und Kamelle wirft... Prinz Angermann... sag ick da nur.

Endlich im Ziel anjekommen, hatte ick gerade noch Zeit, nach meinem Block zu greifen und ein paar Stimmen einzufangen. Doch einfach war das nicht. Die Fahrer hatten keene besonders jute Laune und wollten so schnell wie möglich weg. Aber ich wäre ja nicht Manné Mepris, hätte ick nicht alle Nummern in meinem Handy. So hab ick dann ein kleenes Vermögen vertelefoniert, die  um wichtigsten Infos zu bekommen und mich überhaupt erstmal über den Etappenverlauf zu erkundigen. Aber im großen Janzen bin ick zufrieden. Der Tag hat sich jelohnt.

Was mir zur Zeit noch großes Kopfzerbrechen bereitet ist die janz heiße Kiste, an der ick jerade dran bin. Letztet Jahr hat eener von den Fahrern heimlich Tagebuch von der Tour geführt. Anonym sozusagen. Unter dem Decknamen „Präsi“ war der unterwegs und wenn sich hier einer mit Decknamen auskennt, bin ick det!

Beim diesjährigen Giro tauchte er schon wieder auf und ick bin sicher, dass der was zu verbergen hat. Warum sollte der sonst einen Decknamen benutzen? Macht doch sonst keenen Sinn! Bereits beim Giro war ick kurz davor ihn zu enttarnen. Nur noch drei Namen hatte ick auf meiner Liste nicht durchjestrichen.

Doch bisher hat er hier bei der Tour noch keenen Mux von sich jejeben. Det macht die Sache natürlich noch viel brisanter. Aber ick werde dran bleiben und meine Recherche penibel fortführen. Und wenn ick ihn ausfindig jemacht hab, verkoofe ich det an alle großen deutschen Zeitungen.

Für sachdienliche Hinweise bin ick immer dankbar.

Manné Mépris grüßt Deutschland!

In den kommenden drei Wochen werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern? Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château. Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.