Special

Vier Musketiere bei der Tour!

In den kommenden drei Wochen werden wir nicht nur viele Bilder aus Frankreich sehen, sondern auch jede Menge über die Tour de France in den Zeitungen lesen. Doch wer sind die Männer, die sich auf den französischen Landstraßen schreibenderweise aufopfern, von Stadt zu Stadt reisen, um uns Leser mit frischen und spannenden Geschichten zu füttern?

Vier von ihnen werden exklusiv und abwechselnd auf muax.de Tagebuch führen und uns ihre Eindrücke vom größten Radrennen der Welt schildern: André Cellule, Jo Logique, Manné Mepris und André Château.

Alle vier berichten unter anderem für vier große deutsche Tageszeitungen, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchten. Überhaupt ist das Ganze ein bisschen heikel und deswegen sind alle oben genannten Personen frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Hallo liebe Leser,



ich bin André Celulle und mache den Anfang. André Celulle ist natürlich nicht mein richtiger Name, aber gerade im Radsport muss man heute sehr vorsichtig sein. Der Beruf des Radsportjournalisten kommt ja mittlerweile fast dem eines Geheimdienstmitarbeiters gleich. Ein schmaler Grat zwischen Agent und Doppelagent. 





Eigentlich mag ich den Muax gar nicht so sehr, weil er mich gerne auch mal kritisiert. Und das ist ja eigentlich meine Aufgabe. Da aber die anderen Kollegen mitmachen, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich dem medialen Druck zu beugen. Also möchte ich auch versuchen, meinen Job hier gut zu erledigen. 



Für mich hat die Tour nicht so gut begonnen, war ich doch fest davon überzeugt, dass Rotterdam in Belgien liegt. So hatte ich es ja auch – aus tiefster Überzeugung - geschrieben. Also habe ich mich auf dem Weg zum Tour-Start gleich mehrmals verfahren, war jedoch pünktlich zum Prolog-Start vor Ort.



Die Tour ist ein riesiges Spektakel. Das weiß jeder, und doch: Wer noch nicht dabei war, kann sich das gar nicht vorstellen. Als ich endlich das Pressezentrum gefunden hatte – ich dachte, die Leute sprechen bei der Tour französisch – habe ich mich auf die Suche nach einem guten Fischgeschäft gemacht. Ich liebe Fisch und da muss man jeden Aufenthalt in einer Hafenstadt nutzen. 



Leider kam ich mit den paar Brocken Französisch, die ich mir extra für die Tour angeeignet habe, nicht weit, war ich doch davon ausgegangen, dass die Belgier zweisprachig sind. Aber in Holland ist das ja ganz etwas anderes. 



Anschließend habe ich mich auf den Weg zum einzig verbliebenen deutschen ProTour-Team gemacht, da ich ja weiß, dass die einen Kühlschrank im Bus haben und ich den Fisch im Pressezentrum schlecht aufbewahren konnte. 

Doch der Busfahrer – ein Pole, der ständig komische Witze riss! - winkte gleich ab. Er gab mir zu verstehen, dass er mir mit meinem Fisch das Maul stopfen würde, wenn ich noch ein einziges Mal „einzig verbliebenes deutsches ProTour-Team“ schreiben würde. Ganz schön unfreundlich, der Mann.



Da ich bei anderen Teams niemanden kenne, blieb mir also nichts anderes übrig, als meine Tüte mit ins Pressezentrum mit zu nehmen. Da es dort keine Klimaanlage gab, können Sie sich sicher vorstellen, wie es weiter ging.



Zwischendurch hatte meine Redaktion schon ein paar Mal angerufen und nach frischen Texten gefragt. Aber versuchen Sie mal, frische Texte zu schreiben, wenn neben Ihnen dem Fisch die Frische langsam, aber sicher abhanden kommt. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis sich bei den Kollegen Unmut über den Gestank breit machte. 

Um aber jedem Ärger aus dem Weg zu gehen – die lieben Kollegen können sehr gemein sein – stellte ich mich auf meinen Stuhl und brüllte einmal laut in den Saal: „Who the hell is Fish?“



Den Satz hatte ich mir mal von Lance Armstrong eingeprägt. Es brach großes Gelächter aus im Saal, aber ich hatte mein Ziel erreicht. Niemand schien mich für den „Stinker“ zu halten.



Na ja, vom Prolog habe ich so nur die Hälfte mitbekommen, und ich möchte ihnen gar nicht im Detail schildern, welche Gedanken sich bei mir breit gemacht haben, als ich umhüllt von einer Duftwolke auf dem Monitor mitansehen musste, wie Tony Martin mit seiner Freundin auf dem heißen Stuhl saß.



Immerhin hat es mich aber zu dieser wunderschönen Formulierung inspiriert: „Doch der Trost seiner Freundin Nina - ein gehauchter Kuss auf die Wange - wirkte wie ganz besonderer Balsam.“ 


A bientôt

Votre André