John's Tourtagebuch #10

Hallo Fans!

Mannomann, tut mir der Hintern weh - Wahnsinn! Da ist es im wahrsten Sinn des Wortes keine Freude, sich den A. aufzureißen. Aber alles der Reihe nach.

Erstmal möchte ich mich beim Muax bedanken, dass er gestern ein bisschen Rücksicht genommen hat. Das hätte ich nicht auch noch gebrauchen können. Die bangen Minuten beim Röntgen, ehe man Gewissheit hat, ob etwas gebrochen ist, die Schmerzen und diese Ungewissheit sind echt der Wahnsinn, also im negativen Sinn.

Und als ob das nicht schon genug wäre, hat mich über den Abend Canci (Fabian Cancellara) sechs oder sieben Mal angerufen, weil er wissen wollte, wie es mir geht. Am Anfang war ich ein wenig überrascht über soviel Anteilnahme bis mir irgendwann dämmerte, dass er lediglich wissen wollte, ob ich weiterfahren kann, um im Zweifel dieses Tagebuch an sich zu reißen.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #10

John's Tourtagebuch #9

DEGE isse heute 2x gestürzt und zu weitere Untasuchunge in die Krankehaus. Wege die Röntgestrahle kann isch gerade leida keine Gedanke empfange. Aus Respekt möschte isch deswege heute ma keine Gedanke aus ihm raussauge, sondarn ihm ma ganz viele gute Gedanke & Wünsche schicke! Gute Bessarung John Degenkolb!

Enrico

John's Tourtagebuch #8

Hallo Fans!

Bähm bähm bähm! Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Hicke Hacke, Hicke Hacke, Hühnermist! Leute, heute fehlen mir echt die Worte. Das ist die unglaublichste Unglaublichkeit, die ich je erlebt habe. Wir sind einfach die Besten.

Sorry, aber ich muss erst einmal runterkommen... Uuuuaaaaaaaaaahhhhhhhhhh!

So, jetzt. Was für eine Etappe. Zu Beginn dachte ich, das geht heute gründlich in die Hose, denn nach dem Tagebuch von gestern (Lotto liest scheinbar fleißig mit), sah es am Anfang so aus, als würden wir heute arbeiten müssen. Einen einzigen Mann haben sie nach vorne geschickt um die Ausreißer zu kontrollieren. Mist, dachte ich zunächst, jetzt brauchen wir einen neuen Plan.

Bevor ich hier schreibe, dass „unser Chinese“ auch mit vorne war, möchte ich mich aber zunächst bei ihm entschuldigen, dass ich ihn immer so nenne. Ich schreibe bzw. denke das, seit er bei uns im Team ist. Laura hat mich gestern Abend darauf aufmerksam gemacht. Na ja, was soll ich sagen? Das hat sich einfach so in meine Gewohnheiten eingeschlichen. So sehr, dass ich bis gestern gar nicht wusste, wie er mit richtigem Namen heißt. Aber sie hat Recht. Eigentlich ist es unhöflich.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #8

John's Tourtagebuch #7

Hallo Fans!

Bähm Bähm! Drei Etappen, zwei Siege. Das ist der absolute Wahnsinn! Mir fehlen fast ein bisschen die Worte, aber nur ein bisschen. Ein großes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle den Jungs von Lotto aussprechen, denn ohne ihre beständige Nachführarbeit hätten wir uns auch heute wieder nicht so schonen können wie es nötig war, um im Finale alles zu geben.

Unter uns, wir schicken meistens nur „unseren Chinesen“ nach vorne, damit das ein bisschen so aussieht, als würden wir uns beteiligen und der freut sich, dass er da vorne viel Aufmerksamkeit bekommt. Ist ja auch sehr besonders für ihn, als erster Chinese bei der Tour zu starten.

Zu Beginn der Etappe habe ich mich ein wenig über Marcel Sieberg geärgert, weil er sich in der Neutralisation an den Platz gedrängelt hat, den ich mir vorher ausgeguckt hatte: in der ersten Reihe, direkt hinter dem Kameramotorrad. Aber das ist nun ganz schnell wieder vergessen, denn letztlich kommt es ja auf das Zielfoto an und das haben wir – einfach Wahnsinn!

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #7

John's Tourtagebuch #6

Hallo Fans!

Jetzt ist es wieder weg, das Gelbe Trikot. Aber das war ja auch zu erwarten bei dem Profil heute. Da hätten auch 100 DEGE-Mützen nicht geholfen, um Marcel vorne zu halten.

Aber ich möchte gar nicht klagen. Die erste Rennhälfte konnten wir an der Spitze des Feldes sogar ein bisschen genießen. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn man so im Mittelpunkt steht wie wir seit gestern Nachmittag.

Unglaublich auch, wie viele Zuschauer auch heute wieder an der Strecke standen. Das ist einfach Wahnsinn! Man nimmt zwar diese Menschenmassen meistens auch nur als solche wahr, aber hin und wieder sticht einem trotzdem das eine oder andere Detail ins Auge, und ich übertreibe mit Sicherheit nicht, wenn ich Euch sage, dass die alle mich angefeuert haben. Unglaublich, dass in einem fremden Land so viele Menschen zu einem Rennen kommen, nur um mich zu sehen. Das macht mich sehr stolz.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #6

John's Tourtagebuch #5

Hallo Fans!

Bähm! Der absolute Wahnsinn! Das ist doch ein Auftakt nach Maß. Jetzt haben wir nach nur einer Etappe schon zwei Preise gewonnen: Den Etappensieg und das Gelbe Trikot. Dabei fing alles irgendwie ganz komisch an.

Die neutralisierte Phase vor dem richtigen Start kam mir heute endlos lang vor. Dabei habe ich die letzte Nacht eigentlich ganz gut geschlafen und fühlte mich auch gar nicht schlecht. Na ja, ich dachte jedenfalls, vielleicht müssen wir (das Peloton) noch auf Andy warten, oder so.

Irgendwann wurden wir vom Führungsfahrzeug gestoppt und ich dachte: Ah, endlich Pinkelpause. Ich hatte schon eine Hand quasi in der Hose, da ruft Marcel: „DEGE, mach das nicht – nicht jetzt!“.  Okay, dachte ich und schaute mich erstmal um.

Da fiel mir dann auch schnell auf, dass das wirklich kein guter Ort zum Austreten war. Denn nur wenige Meter entfernt stand SIE leibhaftig vor mir: die Queen!

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #5

John's Tourtagebuch #4

Halxx Faxx!

MannoMxxx, was xax ich xüx einx Nacxt hintxx mir! Diexxs Geknistxx von xxx Alufxxie untxx dxx DXGX-Mütxx gixg gxx nicht. Deswegen habe ich die Idee auch gerade wieder verworfen. Muss ich halt jetzt damit leben. Aber egal, ich habe beschlossen, das Beste aus diesem Tagebuch zu machen. Und noch besser als Alufolie sind halt immer noch positive Gedanken. Denn nur, wenn ich positiv denke, kann der Muax ja auch nur Positives empfangen und aufschreiben. Ziemlich einfache Rechnung!

Gestern Abend die Teampräsentation war einfach der absolute Wahnsinn. Das ist so ein Termin, bei dem man in jeder Faser seines Körpers spürt, dass es bald losgeht. Es knistert regelrecht – aber zum Glück ganz anders als Alufolie. Totale Gänsehaut hatte ich und der ganze Stress der Vortage war mit einem Mal verschwunden.

Schade, dass der Muax in Leeds nicht dabei war. Das hätte ihm bestimmt gut gefallen und ich hätte mich auch total gefreut, ihn zu sehen (positiver Gedanke!).

Der Tag vor dem Tourstart ist immer der schwerste. Da kribbelt es in den Beinen und man möchte endlich loslegen, Aufregung und Lampenfieber steuern ihrem Höhepunkt entgegen.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #4

John's Tourtagebuch #3

Hallo Fans!

Mannomann, hier war gestern was los! Echt der totale Wahnsinn. Da hat der Muax mir vielleicht was eingebrockt. Aber alles der Reihe nach, denn ich bin immer noch ein bisschen konfus.

Gestern haben wir am späten Nachmittag in Leeds ein Kinderkrankenhaus besucht. Schon dabei merkte ich, wie mein Handy in meiner Hosentasche verrückt spielte. Kaum draußen, warf ich einen Blick darauf und wurde von einer Flut von Nachrichten erschlagen: Anrufe, SMS, WhatsApp, und und und. Alles wegen dieses Muax-Filmchen.

Ich kam gar nicht dazu, mir den Beitrag fertig anzuschauen, da hatte ich auch schon Laura am Apparat. Was denn bitte schön das mit dem „Hey, Süße!“ sollte? Ich kann Euch sagen, sie war echt aufgebracht und ich hab `ne ganze Weile gebraucht, um sie zu beruhigen. Ich konnte ihr aber schließlich plausibel machen, dass auch sie schöne Stifte im Büro hat und dass das eben auch ein wichtiger Bestandteil im Leben eines Superstars ist und gar nicht so gemeint war, wie es aussah.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #3

John's Tourtagebuch #1

Hallo Fans,

ja, ich bin es, Euer John! Keine Sorge, ich werde hier in den nächsten vier Wochen keine Nacktfotos zeigen, außer natürlich, es muss ganz ganz unbedingt sein.

Die Tour de France beginnt in wenigen Tagen und ich freue mich riesig drauf. Immerhin habe ich mein halbes Leben davon geträumt und jetzt darf ich schon zum zweiten Mal mit dabei sein. Das ist der pure Wahnsinn.

Aber ich bin gut vorbereitet. Schon am Sonntag, bei der DM in Baunatal, habe ich nochmal gemerkt, dass meine Form auf den Punkt stimmt. Ok, mit Platz zwei war ich natürlich nicht so zufrieden, aber ich habe mir ja nichts vorzuwerfen. Und das, obwohl ich mit Platz zwei ziemlich unzufrieden bin, mir aber wirklich nichts vorzuwerfen habe, wenn Ihr versteht, was ich meine. Mannomann, was für ein Mist!

Außerdem habe ich in den letzten Tagen noch zusammen mit meiner Frau Laura ein wenig an meinen Starallüren gearbeitet und ich kann Euch sagen, das ist gar nicht so einfach, wie Ihr glaubt. Bei der Tour bist du als Teilnehmer einfach so etwas wie ein Superstar und da ist es ganz wichtig, den Menschen auf dem richtigen Level zu begegnen.

Weiterlesen: John's Tourtagebuch #1

Der Deutsche an sich fährt hinterher

Aus Salies-de-Béarn von Jo Logique

Nun ist sie wohl gelaufen, die Tour. Der Spanier besiegt den Luxemburger und der Deutsche an sich fährt hinterher. So lautet mein Fazit der diesjährigen Großen Schleife.

Wenn jetzt keiner von den großen Favoriten vom Rad fällt, werden die letzten drei Etappen wohl keine Überraschungen mehr mit sich bringen.

Eigentlich könnte ich jetzt schon meine Koffer packen und nach Hause fahren, aber ich bleibe natürlich noch bis zum Schluss. Die Tour ist ja immer für eine Überraschung gut und dann ist es wichtig, direkt am Ort des Geschehens zu sein.

Hier bekommt man die kleinen Gerüchte und großen Geschichten eben aus erster Hand. Oftmals Kleinigkeiten, die bei genauerem Hinsehen zur ganz großen Story werden können. Und Paris ist ja auch immer noch ein Highlight.

Auf Milram bin ich gerade gar nicht gut zu sprechen und auf Château auch nicht, aber das ist ein Thema, welches ich hier nicht weiter ausbreiten möchte. Ich werde mir nach der Tour überlegen, wie ich damit umgehen werde.

Weiterlesen: Der Deutsche an sich fährt hinterher

Die Schuld tragen ganz alleine SIE

Aus Pau von André Cellule

Langsam, aber sicher nähert sich die Tour de France dem Ende. Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag und dann ist sie auch schon wieder Geschichte, die Tour 2010. Damit ist dies heute auch mein letzter Tagebucheintrag.

Und schon machen sich zwiepältige Gefühle breit. Einerseits ist man froh, wieder nach Hause zu kommen; andererseits könnte es jetzt auch noch mal drei Wochen so weitergehen.

Nachdem gestern das Aus des Teams Milram verkündet wurde, stellen sich viele Kollegen hier die Frage, wie es für uns Journalisten in den kommenden Jahren weitergehen wird. Werden wir auch 2011 wieder vor Ort von der Tour berichten?

Mir ist sehr wohl bewusst, dass viele Leute uns – also der Presse – eine Mitschuld an der aktuellen Situation geben, gerade in Deutschland. Und doch möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze brechen für mich und meine Kollegen.

Ganz sicher haben wir in unserer Berichterstattung über den Radsport das ein oder andere Mal kräftig über die Stränge geschlagen. Aber das haben wir doch nur getan, weil Sie – die Leser - es so wollten. Ja, es ist Ihre Gier nach Sensationen und Skandalen, die uns antreibt und uns unser täglich Brot liefert.

Weiterlesen: Die Schuld tragen ganz alleine SIE

Ein Moment großer Peinlichkeit

Aus Pau von André Château

Pau, Beau, Château! Die Zeit des Wartens ist ein für alle Mal vorbei! Befürchtete ich zunächst noch, in der Sache mit Lance und Greg nicht von der Stelle zu kommen, ging auf einmal alles ganz schnell.

Lediglich zwei Telefonate waren nötig und ich hatte den ganz großen Knaller. Ein ausführliches Interview mit Greg, welches – ich würde behaupten – den Stein erst richtig ins Rollen gebracht hat.

Jetzt ist der Streit voll entbrannt und die beiden werden sich in den kommenden Wochen und Monaten wohl nichts schenken.

Und dann noch dieser Contador. Erst Attackieren und anschließend die Tour so nicht gewinnen wollen.  Klar kann man die Situation aus mehreren Perspektiven betrachten: So ist der Sport... war das Fair Play?

Doch für mich ist der Fall klar: Ein Moment großer Peinlichkeit. Contador ist in meinen Augen ein schlechter Mensch, so wie es hier von schlechten Menschen nur so wimmelt. Die Sache geht nun aber - trotz aller Reue und Charme-Offensiven – in seine Vita ein und wird für immer ein Schandfleck in seiner Karriere sein. Ich werde schon dafür sorgen, dass es in den nächsten Jahren nicht in Vergessenheit gerät.

Weiterlesen: Ein Moment großer Peinlichkeit

„Präsi“ ist Andreas Klöden

Aus Bagnères-de-Luchon von Manné Mépris

Tachchen zusammen. Heute hab ich jute Neuigkeiten. Ick weiß jetzt, wer hinter Präsi steckt! Also zu 99 Prozent. Aber det eine Prozent jehört halt zum Berufsrisiko mit dazu.

Aber von vorne. Als der Muax mich am Samstag anrief und ein wenig verzweifelt war, weil er Logique nicht erreichen konnte, fragte er mich, ob ick meinen Tagebucheintrag vorziehen könne, damit keine Lücke entsteht. Da hab ick den erstma beruhigt und ihm ma klar jemacht, dass es manchmal von Vorteil ist, sich rar zu machen. Ick bin ja schließlich ein alter Hase in dem Jeschäft und weiß, wie man Spannung erzeugt.

Jedenfalls kam mir det auch janz jelegen, weil am Wochenende ja ma richtig viel zu tun war. Das hat mich aber nicht davon abhalten können, meine Recherche in Sachen Präsi weiterzuführen.

Präsi “ ist Andreas Klöden, da bin ick mir jetzt janz sicher! In der Nacht zum Sonntag hab ick mir nochma alle Namen der deutschen Fahrer in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, einen nach dem anderen und hab versucht, sie jeistig mit der Figur abzugleichen. Bei Klöden bin ick dann hängen jeblieben.

Weiterlesen: „Präsi“ ist Andreas Klöden

Männer in Kampfuniform stürmten in mein Zimmer

Aus Pamier von Jo Logique

Da bin ich wieder, mit zwei Tagen Verspätung. Es scheint, als würde die Macht unserer Zeitung doch nicht bis alle Ecken Europas reichen. So hatte ich am Samstagmorgen eine unangenehme Begegnung mit der französischen Polizei.

Es war noch ziemlich früh und mein Hotelzimmer in Rodez alles andere als luxuriös. Gerade wollte ich duschen gehen und mich für den Tag fertig machen, da klopfte es drei Mal an der Tür. Da ich nichts an hatte, suchte ich nach etwas, womit ich mich ein wenig bedecken konnte bevor ich die Tür öffnete. Doch dazu kam ich gar nicht mehr. Ein lauter Knall und mein Zimmer hatte keine Tür mehr.

Unzählige Männer in Kampfuniform stürmten in mein Zimmer und mitten unter Ihnen der Gendarm aus Épernay. Er zeigte sichtlich aufgeregt auf mich und schrie ein paar mal: „C'est lui!“

Es lief ab wie in einem schlechten Film. Ich wurde überwältigt und bekam Handschellen angelegt. Ohne ein weiteres Wort wurde ich von den Beamten vom CRS abgeführt. Sie machten sich nicht mal die Mühe, mir etwas umzuhängen. Der Krach hatte bereits viele andere Hotelgäste aufgeschreckt und als ich durch die Hotelhalle geschubst wurde, begegnete mir noch das komplette Team RadioShack. Ich bekam nur noch mit, wie Andreas Klöden grinste und mir hämisch „Flitzer“ nachrief, da saß ich auch schon in einem schwer gepanzerten Transporter und bekam erst dort die Gelegenheit, mir etwas überzuziehen.

Weiterlesen: Männer in Kampfuniform stürmten in mein Zimmer

Team Grupetto

Aus Mende von André Cellule

Die zwölfte Etappe läuft und immer mehr werden die Fahrer, die sich nach den Alpen auf einen Etappensieg konzentrieren möchten. Das verspricht für die zweite Tour-Hälfte eine Menge Spannung und entsprechend muss ich in den kommenden Tagen mit Arbeit rechnen.

Überhaupt git’s hier jede Menge zu tun. Die Tour selbst, aber auch die ständigen Neuigkeiten um Lance Armstrong und Floyd Landis halten mich ganz schön auf Trab. Da muss man in der Flut der Neuigkeiten immer selektieren und versuchen, etwas zu bringen, was die Anderen noch nicht haben.

Genau das ist aber im Pressezentrum nicht einfach, da es dort sehr beengt zugeht. Wenn man so dicht an dicht nebeneinander sitzt, ist es für die Kollegen ein Leichtes mitzubekommen, woran man gerade arbeitet, mit wem man telefoniert, usw.

Deswegen habe ich mir etwas ganz Besonderes einfallen lassen, damit meine Informationen auch bei mir bleiben. Nach dem Vorbild von Eufemiano Fuentes habe ich mir für die Teams und Fahrer Codenamen ausgedacht. Das ist ebenso simpel wie wirkungsvoll. Meine Redaktion hat eine Liste mit den Code- und den echten Namen und kann die Texte nach Erhalt vervollständigen.

Weiterlesen: Team Grupetto

Bis zur Weißglut provoziert

Aus Sisteron von André Château

Es geht wieder besser, doch immer noch ist es schwer hier für mich. Auch in mir ist in den vergangenen Tagen etwas zerbrochen. Ich kann nicht genau erklären, was es ist, vielleicht der Konflikt zwischen paradox und attraktiv. In den vergangenen Jahren war das nicht so, zu eindeutig war die Lage.

Und auch in der Redaktion in München, fernab von allem Tour-Trubel, ist es um ein Vielfaches leichter, zu differenzieren oder das Gute auszuklammern uns sich auf das Böse zu konzentrieren.

Die Euphorie hier in Frankreich hatte mich in den vergangenen Tagen bis zur Weißglut provoziert. Rund 15 Millionen Menschen stehen hier jedes Jahr an der Strecke und bejubeln nahezu völlig kritiklos das Spektakel Tour de France. Vielleicht liegt es daran, dass auch ich älter werde, genau wie die ergrauten Herren aus dem Peloton.

Nach langen Telefonaten mit meinem Chef haben wir beschlossen, dass ich erst einmal hier bleibe und das Beste aus der Situation mache. So schreibe ich neuerdings einfach über das, was hier passiert.

Weiterlesen: Bis zur Weißglut provoziert

Nicht die ganze Wa(h)rheit

Aus Chambéry von Manné Mépris

Tachchen, da bin ick wieder. Mensch, die Tage fliegen hier in einem Tempo vorbei. Ick bin ja schon wieder dran mit schreiben, wa? Präsi ist heute mein Thema. Klar tun sich hier jede Menge anderer Dinge, aber ick hatte mir ja fest vorjenommen, meine Recherche weiter zu führen.

So hab ick mir jestern nochma ’ne Liste jemacht mit allen deutschen Fahrern. Der Herr Präsi hat ja bisher von der Tour nichts von sich hören lassen. Vielleicht ahnt er ja auch wie dicht ick ihm auf den Fersen bin.

So bin ick im Ziel direkt ma zu Voigte (Jens Voigt) jejangen. Der ist ja nicht auf den Mund jefallen und weiß immer janz jut Bescheid. Ick hab den direkt ma ins Jesicht jefragt: „Sach ma Voigte, unter uns, du kennst doch Präsi, wa?“

Da schaut er mich an wie ein Auto und sagt: „So was darfste mich nicht fragen, Manné. Ich weiß zwar, was ein Präsi ist, aber bei bald sechs Kindern halte ich zu dem Thema lieber meine Klappe!“

Ob der mich nicht richtig verstanden hat oder warum war der so komisch? Jedenfalls hatte ick nicht det Jefühl, det der mir die janze Wahrheit sagt. Ick glaube, der weiß mehr und deckt den Kerl.

Weiterlesen: Nicht die ganze Wa(h)rheit

Wildes Stöhnen und Kichern

Aus Saint-Jean-de-Maurienne von Jo Logique

Sorry, dass mein Text heute erst so spät kommt, aber ich musste mich heute Morgen schon früh auf den Weg zum Ziel machen. Ruhetag ist nicht gleich Ruhetag! Trotzdem tut es bei so einer Monster-Reise gut, einmal zwei Tage am selben Ort zu bleiben und abends in ein vertrautes Hotelzimmer zu kommen. Das fühlt sich fast ein bisschen an wie zu Hause sein.

Sie glauben gar nicht, wie anstrengend so ein Ruhetag sein kann. Da ich unbedingt eine heiße Story benötigte, wollte ich gestern Nachmittag keine Pressekonferenz verpassen. Da die aber teilweise zeitgleich stattfinden und ich alleine hier unterwegs bin, ist das keine leichte Sache. 

Also habe ich am Vormittag den nächstbesten Elektromarkt aufgesucht und mir fünfzehn Diktiergeräte gekauft.

Die habe ich dann – um zumindest die wichtigsten Teams abzudecken – an den entsprechenden Orten aufgestellt und bin den ganzen Nachmittag von Hotel zu Hotel geeilt um immer wieder zu prüfen, ob auch alle ordnungsgemäß laufen. Zwar haben manche Teamchefs ein wenig komisch geschaut, wenn ich mich immer wieder nach vorne an die Tische gedrängelt habe, aber ich wollte ja nichts verpassen.



Soweit hat auch alles gut geklappt. Nur die Jungs von Milram haben sich wohl einen Spaß draus gemacht das Gerät an sich zu reißen. Auf dem Band war nur wildes Stöhnen und Kichern.



Weiterlesen: Wildes Stöhnen und Kichern

Zwei Stunden um mein Privatleben kümmern

Von André Cellule aus Morzine

Endlich Ruhetag! Der ist jetzt aber auch bitter nötig. Die erste Tourwoche hat ja gleich richtig reingehauen. Apropos reinhauen: Zu der Geschichte mit Gianni möchte ich an dieser Stelle nur soviel sagen: Wir haben uns ausgesprochen und das Thema ist vom Tisch.

Unglaublich was sich hier in der ersten Woche alles abgespielt hat. Gestern hat es den siebenfachen Tour-Champion Lance mal richtig nach hinten rauskatapultiert. Da habe ich – trotz allem, was ich in all den Jahren über ihn geschrieben habe – zum ersten mal Mitleid mit ihm bekommen und mich gefragt: Warum tut sich der alte „Mann“ das an? Sie merken, ich hab „alte Mann“ direkt mal in Sonderzeichenwatte gepackt. Noch so eine Rauferei kann ich beim besten Willen nicht gebrauchen, schon gar nicht mit einem Cowboy.

Im Grunde kommen jetzt auch für uns erst die wirklich schweren Etappen. Nach dem Prolog ergeben sich im Laufe der Tage eine ganze Reihe von Themen,die mehr oder weniger direkt mit der Tour, mit Radsport oder Doping zu tun haben. Das ist schwer zu erklären, aber ich habe mir mal die Mühe gemacht, meinen Arbeitsplan zu fotografieren, damit sie einmal einen Eindruck bekommen, wie verschachtelt das Ganze hier ist.

Weiterlesen: Zwei Stunden um mein Privatleben kümmern

Ich hasse Frankreich

Aus Morzine von André Château

Nichts, aber auch gar nichts ist mir hier bisher gelungen. Na ja, eine kleiner Text mit ein paar Zitaten von Gerry van Gerwen zur unsicheren Zukunft seines Milram-Teams. Aber sonst ist das hier für mich bisher eine einzige Pleite, um es offen und ehrlich zu sagen. Die Geschichte um Ullrich und Pévenage habe ich glatt verschlafen und auch bei Landis und Armstrong fehlt mir bisher der entscheidende Durchbruch.

Alles hier ist euphorisch. Meldungen, die sich um das Thema Doping drehen, sind nur Randnotizen. Die einzigen, die das hier wirklich interessiert, sind wir Deutschen. Alle anderen nehmen es kurz zur Kenntnis und gehen dann zur Tagesordnung über. Wie soll ich da etwas aufdecken? Selbst meine Ray-Ban hat mir bisher nicht geholfen.

Gestern hat mein Chef angerufen und nach ersten Erfolgen gefragt. Die WM sei ja jetzt so gut wie vorbei und er rechne in den kommenden Tagen unbedingt mit etwas Großem. Und dann noch diese unerträgliche Hitze hier, furchtbar!

Gerade trudelt hier per Email die Presse-Einladung vom Team Milram für den ersten Ruhetag ein. „Blaue Stunde Tour de France 2010“ nennen sie das, doch schwarze Stunde müsste es wahrheitsgemäß heißen.

Weiterlesen: Ich hasse Frankreich

Viele blaue Augen

Aus Tournus von Manné Mepris

Tachchen, da bin ick wieder. Mensch Leute, det wird ja hier von Jahr zu Jahr wilder. Ick glaube, lange ist det nüscht mehr für mich, ick bin ja schließlich ooch nich mehr der Jüngste. Aber die Jeschichten, die die Tour ausmachen, die spielen sich nur zu einem janz jeringen Teil auf der Strecke ab und stehen in keiner Zeitung.

Heute Morgen hab ick fünf blaue Augen jezählt. Die beiden von Barredo und Costa dürften Ihnen ja bereits bekannt sein. Weiß der Teufel, was die beiden jestern nach dem Zieleinlauf da jeritten hat.

André Cellule hat mich zwar angefleht die Jeschichte hier nicht zu erzählen, aber ick kann doch nicht meine beste Story unter Verschluß halten. Tut mir leid André, aber det jeht nich!

Vielleicht erinnern Sie sich an seine Jeschichte mit dem Italiener. Die Person, um die es sich dabei handelt, ist Gianni von der Gazetta dello Sport. Gianni ist schon seit Jahren bei der Tour dabei. Ick kenne den ooch ziemlich gut. Mit ihm kann man jede Menge Spaß haben, aber wenn er einmal in Rage ist, ist mit dem nicht jut Kirschen Essen.

Weiterlesen: Viele blaue Augen