Special

John's Tourtagebuch #14

Hallo Fans!

Mannomann und Wahnsinn zugleich! Der Maximus ist wieder da! Wäre wieder da, wenn da nicht schon wieder diese Lottos wären. Die haben wohl Spaß daran gefunden uns zu ärgern. Aber ich freue mich auch so sehr, also für mich. Ziemlich verworren, was? Ich versuche mal meine Gefühle zu sortieren.

Uuuuuuuuuaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhh! So, sortiert. Was für eine Etappe. Der Ruhetag gestern hat mir echt gut getan. So lange jedenfalls, bis gestern Abend wieder so ein bescheuertes Muax-Video aufgetaucht ist. „Der Maximus hat Ruhetag “. Sehr witzig, dachte ich zuerst. Ich war schon kurz davor, den Muax anzurufen, um ihm einmal richtig meine Meinung zu geigen, da sagte Marcel Kittel, er hätte das gerade mal gegoogelt und Maximus hieße auf Lateinisch „der Größte“.

Huch, dachte ich und habe es mir natürlich gleich noch einmal angeschaut. Da bekam das sofort eine ganz andere Bedeutung. Der Größte, mit dem Gedanken bin ich gestern Abend auch eingeschlafen.



Als ich heute Morgen wach wurde, merkte ich auch direkt, dass ich mich richtig gut fühlte. So gut, dass ich versuchen wollte, heute in die Gruppe zu gehen. Hätte auch fast geklappt, aber eben nur fast. Der Nibali wollte mich wohl nicht fahren lassen, aus Angst, dass ich das gesamte Klassement von hinten aufrolle.

Jedenfalls kamen nach dem Ausreißversuch einige Fahrer aus dem Peloton zu mir und waren ganz überrascht darüber. Mist, dachte ich. Wenn sich das jetzt rumspricht, habe ich keine Chance, die Anderen in den nächsten Tagen zu überraschen. Also hab ich mich irgendwann mit großem Gejaule zum Rennarzt zurückfallen lassen, damit es auch ja Jeder mitbekommt.

Als ich dann in der letzten Abfahrt noch vorne mit dabei war, habe ich kurz gedacht: Wow, DEGE-Maximus - es geht aufwärts. Da ich mein Hintern aber immer noch deutlich spüre, sagte ich meinem Teamkollegen Tom Dumoulin, dass ich mich heute aus dem Finale lieber raushalte und für ihn fahre. Gegen Sagan hätte ich ja mit lädiertem Hinterteil eh keine Chance gehabt.

Na ja, auf jeden Fall turnte vorne dieser Franzose von Lotto rum und ich dachte, Sagan wird das schon im Griff haben. Da kam Tom zu mir rangefahren und sagte, dass der Lotto-Typ da vorne, bevor er abgezogen sei, mir meine DEGE-Mütze aus der Trikotasche geklaut hätte. In dem Moment hab ich nur noch Rot gesehen und gedacht: Mannomann, den hole ich mir jetzt und dann kriegt der von mir was zu hören.

Ich so voll hinterher und kurz nach der Ziellinie greife ich in meine Trikotasche, um meine Luftpumpe rauszuholen, damit ich dem mal so richtig eine überbraten kann. Doch was habe ich in der Hand? Richtig, meine DEGE-Mütze!

Für einen kurzen Moment dachte ich, ich brate Tom jetzt für diese Verarsche eine über, aber als ich hörte, dass ich Zweiter geworden war, dachte ich plötzlich nur noch daran, sofort Frauke* anzurufen, um ihr das zu erzählen. Wahnsinn!

Jedenfalls brauche ich den Blick heute nicht nach vorne zu richten, denn da bin ich ja schon!

Bis bald
DEGE

*Name geändert – ist aber der Redaktion bekannt.

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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).