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John's Tourtagebuch #11

Hallo Fans!

Mannomann, heute habe ich gar nicht viel zu erzählen. Wenn man eine Etappe, auf der man sich etwas vorgenommen hat, so bestreiten muss wie ich heute, helfen auch die Aufmunterungen der Teamkollegen nicht viel. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie mir zumute war.

Die letzten 20 Kilometer waren unter diesen Umständen für mich mental die schwersten seit langem. Du fährst diese zwei Anstiege hoch, das Peloton schon weit voraus und Dein Kopf fängt an zu arbeiten. Wahnsinn! Du stellst Dir vor, wie Du mit den anderen hier hochfliegst, hochkonzentriert, hochmotiviert und voll am Anschlag. Doch dann holt Dich jede kleine Unebenheit auf der Straße in die Realität zurück und Du spürst den Schmerz, der zu Dir sagt: „DEGE, heute bin ich stärker!“

Monatelange Vorbereitung und Entbehrung in zwei Sekunden für den Allerwertesten. Ihr merkt sicher schon, heute kann ich der Tour nichts Witziges abgewinnen. Ich hab nicht einmal mehr Lust meine DEGE-Mütze zu tragen und das will echt was heißen. Aber es gibt so Tage. Da muss man eben durch.



So, ich ziehe mir gleich die Decke über den Kopf und fighte das mit mir selbst aus und morgen richte ich den Blick wieder nach vorne, versprochen.

Bis bald,
DEGE

PS: Canci, wenn Du mich heute noch ein einziges Mal anrufst, dann... dann... dann geige ich Dir mal so richtig meine Meinung!

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Kurz vor der 101. Tour de France hat Enrico Muax bei der VHS noch einmal einen Schnellkurs in Telepathie belegt und möchte sein aufgefrischtes Wissen nun dazu nutzen, seinen Lesern täglich exklusiv die Gedanken von John Degenkolb aufzuschreiben, die er in langen nächtlichen Séancen auf seinem Balkon einfängt (oder einzufangen glaubt).